Was ist los in der Türkei? Ein Interview mit Max Zirngast

Max Zirngast im Gespräch

Etwa seit 2013 steckt die türkische Gesellschaft in einer sich verschärfenden Hegemoniekrise. Aber auch in der Region selbst werden im Poker um Macht und Herrschaft die Karten neu verteilt. Innerstaatlich trifft der Versuch, ein konservatives bis faschistisches Gesellschaftsmodell zu installieren, auf zunehmenden Widerstand. Noch ist unklar, was am Ende des Entwicklungsprozesses stehen wird, auch deshalb, weil die internationalen Machtverschiebungen einen erheblichen Einfluss auf die internen Entwicklungen haben. Der schleichende Rückzug der USA aus dem Nahen Osten, die Zunahme des regionalen Einflusses Russlands und der wirtschaftliche Aufstieg Chinas sind dabei Teilaspekte einer komplexen politischen Neuausrichtung, die von sozialen Kämpfen begleitet wird.

Danke an die Neue Debatte für die Texte in diesem Artrikel.

Zur Person: Max Zirngast (Jahrgang 1989) ist ein österreichischer Journalist und Autor. Er studierte Politikwissenschaft und Philosophie an der Universität Wien und schreibt für linke Publikationen wie zum Beispiel das Online-Magazin re:volt, This is Hell oder die Tageszeitung junge Welt. Als Aktivist engagiert er sich für kurdische Gruppierungen. Seit 2015 lebte, studierte und arbeitete er in Ankara. In seinen Beiträgen setzte er sich kritisch mit der Regierung von Recep Tayyip Erdoğan und deren Kurdenpolitik auseinander. Im September 2018 wurde Max Zirngast unter dem Vorwurf, er würde Terrororganisationen nahe stehen verhaftet. Nach internationalen Protesten wurde er im Dezember 2018 aus der Untersuchungshaft entlassen, durfte aber aus der Türkei nicht ausreisen. Am 11. April 2019 wurde gegen Zirngast und weitere Angeklagte ein Prozess eröffnet, der am ersten Verhandlungstag vertagt wurde. Das Gericht sprach Zirngast frei und hob das Ausreiseverbot auf.

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